Frühleser, Mathe-Asse – und dann? Intelligent oder hochbegabt ist doch das gleiche - oder etwa nicht?
- Denise Tollkamp

- 15. Dez. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 15. Jan.
Früh lesen, schnell rechnen, kluge Fragen stellen – viele Eltern fragen sich:
Ist mein Kind hochbegabt oder einfach sehr intelligent?
Dieser Blogbeitrag erklärt den Unterschied zwischen Intelligenz und Hochbegabung, zeigt typische Merkmale hochbegabter Kinder, beleuchtet die Rolle verschiedener Intelligenzen und erklärt, warum Hochbegabtenförderung etwas anderes ist als Leistungsträgerförderung.
Was ist Intelligenz? – Eine kurze Definition
Intelligenz bezeichnet die Fähigkeit,
Informationen aufzunehmen und zu verarbeiten
logisch zu denken
Probleme zu lösen
sich an neue Situationen anzupassen
Kinder mit hoher Intelligenz lernen schnell, zeigen oft gute schulische Leistungen und verfügen über einen Entwicklungsvorsprung – zum Beispiel beim Lesen oder Rechnen.
Hohe Intelligenz ist sichtbar, messbar und leistungsnah.

Was ist Hochbegabung? – Mehr als ein hoher IQ
Hochbegabung ist keine reine Steigerung von Intelligenz. Sie beschreibt eine qualitativ andere Art des Denkens, Fühlens und Wahrnehmens.
Hochbegabte Kinder erleben ihre Umwelt häufig:
komplexer
intensiver
tiefer
schneller vernetzt
Nicht entscheidend ist nur was sie wissen, sondern wie sie denken.
Intelligenz zeigt sich häufig in Leistung – Hochbegabung im Erleben.
Verschiedene Intelligenzen – warum Hochbegabung oft übersehen wird
Ein häufiger Grund für Fehleinschätzungen:
Intelligenz wird meist auf sprachliche und logisch-mathematische Fähigkeiten reduziert – also genau die Bereiche, die Schule bewertet.
Dabei gibt es verschiedene Formen von Intelligenz, unter anderem:
sprachliche Intelligenz
logisch-mathematische Intelligenz
räumlich-visuelle Intelligenz
musikalische Intelligenz
körperlich-kinästhetische Intelligenz
interpersonale Intelligenz (soziale Feinfühligkeit)
intrapersonale Intelligenz (Selbstreflexion, Sinnfragen)
👉 Hochbegabte Kinder zeigen ihre Stärken nicht immer in schulischen Kernfächern. Gerade emotionale, soziale oder selbstreflexive Intelligenzen bleiben häufig unerkannt.
Typische Merkmale hochbegabter Kinder
Hochbegabung zeigt sich meist in einer Kombination mehrerer Merkmale:
sehr schnelle Denkprozesse
ungewöhnlich tiefe oder philosophische Fragen
hohe emotionale Sensibilität
ausgeprägte Empathie
asynchrone Entwicklung (kognitiv voraus, emotional altersgemäß)
starkes Autonomiebedürfnis
Perfektionismus oder Rückzug bei Sinnlosigkeit
Hochbegabte Kinder fallen nicht immer durch Leistung auf – sondern durch Intensität, Tiefe oder
Reibung.
Wenn Hochbegabung falsch verstanden wird
Viele hochbegabte Kinder werden beschrieben als:
„zu sensibel“
„verweigernd“
„unaufmerksam“
„schwierig“
Andere passen sich stark an und bleiben unauffällig. Beides kann dazu führen, dass Hochbegabung nicht erkannt wird – mit Folgen wie:
Unterforderung
Schulunlust
Selbstzweifeln
Underachievement
Nicht, weil das Kind zu wenig kann –sondern weil seine Bedürfnisse nicht gesehen werden.
Leistungsträgerförderung oder Hochbegabtenförderung?
Leistungsträgerförderung
richtet sich an Kinder mit sichtbar hohen Leistungen und setzt auf:
schwierigere Aufgaben
Wettbewerbe
Beschleunigung
Ziel: Leistungssteigerung
Hochbegabtenförderung
setzt an der Persönlichkeit an und berücksichtigt:
Denkweise
emotionale Intensität
Sinn- und Autonomiebedürfnisse
soziale Herausforderungen
Ziel: Passung statt Mehrleistung
Merksatz: Leistungsträger brauchen Herausforderungen. Hochbegabte brauchen Verständnis, Tiefe und Resonanz.
Häufige Fragen zu Hochbegabung (FAQ)
Ist jedes intelligente Kind hochbegabt?
Nein. Intelligenz und Hochbegabung sind nicht identisch.
Muss ein hochbegabtes Kind gute Noten haben?
Nein. Viele hochbegabte Kinder zeigen Underachievement.
Ist Hochsensibilität ein Hinweis auf Hochbegabung?
Sie kann ein begleitendes Merkmal sein.
Ist ein Intelligenztest sinnvoll?
Ein Test kann Orientierung geben, ersetzt aber keine ganzheitliche Betrachtung.
Fazit: Hochbegabung erkennen heißt, genauer hinzusehen
Hochbegabte Kinder sind nicht einfach „klüger“. Sie sind anders unterwegs – im Denken, Fühlen und Wahrnehmen.
Nicht jede frühe Leistung bedeutet Hochbegabung.
Und nicht jede Hochbegabung zeigt sich in Leistung.



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